15 Entgrenzung durch Drogen - Sinnformative Lebenskunst

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Entgrenzung durch Drogen

Die meisten Menschen erleben ihren ersten Drogenrausch schon mit 12-13 Jahren oder noch früher. Mit den, zu vielen Anlässen Alkohol trinkenden Erwachsenen als Vorbild, sinkt die Hemmschwelle und irgendwann ergibt sich die Gelegenheit meist im Freundeskreis. Und dann trinkt man einfach selbst mit. Oder raucht einen Joint. Oder probiert andere Drogen aus. Es fühlt sich gut an, grandiose Momente, die man gerne wiederholt und die bei manchen allzu schnell alltäglich werden. Wir sind die Vorstellung, die wir von uns selbst haben. Und die ist gefüllt mit so unglaublich vielen Grenzen. Drogen schicken unser Bewusstsein schnell in eine „virtuelle Entgrenzung“. Sie sind in der Lage, unsere erlebten Einschränkungen zu relativieren. Alles, was uns vorher noch einengend, unangenehm oder schmerzlich vorkam – der verlorene Job, das Alleinsein, Minderwertigkeitsgefühle und die erlebten Niederlagen – lösen sich im Nebel des Rausches schnell auf, werden unwichtig und erträglich. Drogen heben uns hoch hinauf, erweitern unser Bewusstsein, verschaffen Überblick und lassen uns Zusammenhänge erkennen, die vorher schleierhaft verhüllt waren.
Durch das Verschwinden der trennenden „Genauigkeiten“ eröffnen sich Erfahrungsräume, die sich vorher nicht erahnen ließen. Im Alltag erzeugt unser nüchterner Geist ein trockenes Weltbild – logisch, kausal, eng, eckig und voller Einschränkungen. Im Rausch schmelzen die Grenzen, lösen sich beglückend auf – weich, rund und harmonisch. Logik und Kausalität verlieren an Größe und Gewicht und spielen keine wirkliche Rolle mehr. Sie werden überstrahlt von übergeordneten Werten und höheren Weisheiten – vielleicht sanfter, ehrlicher und liebevoller? Die vorher so real erlebten Einschränkungen wandeln sich selbst zu Illusionen.
Aber was ist real und was Illusion? Wir sind schnell dabei und sagen: „Drogen bewirken eine Flucht aus der Realität“. Darf man es nicht auch umgekehrt sehen? Zeigen sie uns nicht unsere wahre Wirklichkeit? Heben sie uns nicht eher für einen Moment hinaus aus unserer fiktiven und eingeschränkten Welt empor ins Licht? Spüren wir durch sie für kurze Zeit unsere grenzenlose Herkunft? Lassen sie uns für einen kleinen Moment unser eigentliches Paradies erahnen?
 
Nun wissen wir aber, dass Rauschzustände nicht stabil sind und scheußliche Folgen haben. Natürlich tauchen sie schon nach sehr kurzer Zeit wieder schmerzlich auf, unsere verfluchten Grenzen. Der klingelnde Wecker, der zur Arbeit ruft, der brummende Kopf und zudem eventuelle Dummheiten, die man im Rausch angestellt hat und die in der nüchternen Realität auch noch zusätzliche Einschränkungen zur Folge haben. Wir wissen, dass nicht die Grenzenlosigkeit an sich beglückt, sondern nur der Weg dorthin, nur die Momente, in denen die Verbundenheit fühlbar entsteht. Das gilt auch virtuell für den Rausch. Der Konsum von Drogen hinterlässt Spuren und Gewohnheit. Es nutzt sich ab, wie das mehrfache Einsetzen von Puzzleteilen oder die hundertste Ersteigung desselben Berges.
 
Nicht das Ziel, sondern nur der Weg dorthin scheint zu beglücken. Ist er jedoch unzählige Male begangen und beschritten, verliert er an Anmut. Er wird zur staubigen Straße, gewöhnlich und trivial. Höhere Dosierungen schaffen zunächst einen Ausgleich und graben vielleicht auch noch die verstecktesten Grenzen aus, die dann virtuell aufgelöst oft nur noch kurz beglücken. Irgendwann funktioniert auch das nicht mehr wirklich. Die Folgen sind bekannt: schmerzhafte Wege mit vielen neuen Begrenzungen und tiefes Leid.




Christoph Heinzel
45527 Hattingen

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